Jasper - Für Jérôme - [original & live]

Für Jérôme

Im Sandkasten hab ich die
allergrößten Burgen gebaut
und du hast sie zertreten.
Im Kindergarten hast du mir
meine Buntstifte geklaut,
in der Grundschule Moneten.
Es war nicht immer leicht für mich,
dein bester Freund zu sein.
Und wenn ich ehrlich zu mir bin,
dann war ich nur ein Stein
an deinem Bein.

Die Polizei hat auch bei mir
geklopft und mich befragt.
Ich hab ihnen alles gesagt,
was ich weiß,
doch das war nicht viel.
Ich stand zwei Stunden lang
bei deiner Schwester am Grab,
ich hab ihr alles gesagt,
was ich weiß,
doch das war nicht viel.
Deine Mom hat mir im Treppenhaus
ihr Leid geklagt,
sie ist ziemlich stark,
an deinem Leben interessiert.
Ist dir das alles egal?!
Rennst nächtelang durch den Park,
hier sitzen Menschen,
die auf dich warten.

Und deine Mutter schafft
ALDI-tütenweise Taschentücher
ins Haus, weint sich aus,
bringt den Müll wieder raus,
steht dann auf dem Balkon,
wartet auf ihren Sohn,
das bist du! (Jérôme).

Seit der Realschule gehen
wir nun unsre Wege getrennt,
du bist rechts abgebogen.
Dein Lebensmotto steht in
Arial 500 auf nem Transparent:
„Keine Nacht ohne Drogen".
Seit Wochen hab ich dich nicht
mehr in unserem Haus gesehen.
Ich hab gehört, dass man dich sucht,
du sollst krumme Dinger drehen.

Die Polizei hat auch bei mir
geklopft und mich befragt.
Ich hab ihnen alles gesagt,
was ich weiß,
doch das war nicht viel.
Ich stand zwei Stunden lang
bei deiner Schwester am Grab.
Ich hab ihr alles gesagt,
was ich weiß,
doch das war nicht viel.
Deine Mom hat mir im Treppenhaus
ihr Leid geklagt,
sie ist ziemlich stark
an deinem Leben interessiert.
Ist dir das alles egal?
Rennst nächtelang durch den Park,
hier sitzen Menschen,
die auf dich warten.

Und deine Mutter schafft
ALDI-tütenweise Taschentücher
ins Haus, weint sich aus,
bringt den Müll wieder raus,
steht dann auf dem Balkon,
wartet auf ihren Sohn,
das bist du! (Jérôme).

[Wiederholung]
[Instrumental]

Und sie ruft am Abend und
die ganze Nacht: „Jérôme! Jérôme!"
Und sie ruft am Abend und
die ganze Nacht: „Jérôme! Jérôme!"
Und sie ruft am Abend und
die ganze Nacht: „Jérôme! Jérôme!"

„Jérôme! Jérôme!"
Dann hat sie das Fenster zugemacht.

Ich hab es nie geschafft,
für dich ein guter Freund zu sein.
Denk nicht an dich, denk an
Irene und komm heim, Jérôme.


[Noch ein paar Anmerkungen zu diesem Lied: Die Geschichte, bzw. die Beziehung von der in diesem Lied die Rede ist, ist fiktiv. Der Song ist nicht leicht zu verstehen, da viele Fragen ungelöst bleiben. Warum ist die Schwester gestorben? Wird Jérôme zurückkommen? Wer ist Irene? All diese Fragen bleiben bewusst offen. Das Lied spielt auch mit den "Opfer & Täter"-Rollen. Ist Jérôme Täter oder Opfer? Sollte nicht eher sein "Freund" aktiv werden, anstatt nur eine Botschaft an ihn zu richten. Sollte der Freund nicht besser den direkten Kontakt zu Jérôme suchen, als ihm nur mitzuteilen, dass die Mutter weinend am Fenster steht?! Solche Fragen wenden den Blickwinkel und lassen den Zuhörer am Ende mit einstimmen: "Ja, du hast es nie geschafft, ein guter Freund zu sein. Auch jetzt bist du es nicht." Beide Protagonisten haben eine Freundschaft erlebt, die im Prinzip gar keine wahr. Nur Jérôme hat es wahrscheinlich früher erkannt. Es geht nicht um ein gut oder böse in dem Lied, sondern um eine Darstellung von verwirrenden Beziehungen, die zum weiter denken anregen. Das habe ich mir als Aufgabe gesetzt und ich denke, dass dies auch gelungen ist]

11.7.08 09:59

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen